Weiher - Leonhardikapelle

Nummer: 24

Baugeschichte

1672 hat der damalige Pfarrers berichtet, dass um 1658 ein wohlhabender Wasserburger Bürger, der in Weiher geboren ist, die Kapelle erbaut hat. Es gab wohl an gleicher Stelle einen Vorgängerbau.

Die Kapelle ist dem hl. Leonhard geweiht, dem Schutzpatron der Pferde. Noch heute findet im Herbst eine Pferdewallfahrt von Grassau zur Leonhardikapelle in Weiher statt, bei der die Tiere gesegnet werden.

 

Ausstattung der Kapelle

Schon in der Zeit der Erbauung hat der Pfarrer eine alte Leonhardfigur aufgestellt. Bemerkenswert sind auch die Votivbilder (siehe unten Bildergalerie), mit denen Bauern dem heiligen Leonhard dafür gedankt haben, dass er ihre Tiere beschützt hat.

 

Quellen/Literatur

Kießling,Gotthard/Reiman,Dorit; Denkmäler in Bayern – Landkreis Traunstein S. 181,   ( Lindenberg 2007),
Ökomodell Achental e.V. (Hrg), Historischer Wanderführer - Auf den Spuren der Geschichte durch das Achental, (Schleching 2009)
Chronik der Marktgemeinde Grassau; Band Kirchengeschichte (Grassau 2016)
Gruß, Olaf; Unveröffentlichter Artikel (2016); siehe folgende Seiten

 

Olaf Gruß hat für die Chiemgau-Blättern (noch nicht veröffentlicht) die Leonhardikapelle in Weiher wie folgt ausführlich beschrieben:

Leonhardikapelle in Weiher

1658 ließ Georg Ertl, Bürger und Wagner zu Wasserburg diese kleine Feldkapelle in Weiher zwischen Grassau und Mietenkam am Eingang der Au errichten. Möglicherweise befand sich an dieser Stelle bereits vorher eine Kapelle, von der aber nichts mehr bekannt ist.

Das älteste Votivbild von 1655 gibt Zeugnis vom Dank eines christlichen Bauern namens Andre Hitter aus Prantriten, der sich wegen der Genesung seines Rosses beim heiligen ‚Lienhard’ bedankte.

Im Kreisarchiv München (fasc. 2352, Nr. 49) befinden sich Akten zur Gründung der Bruderschaft zur Unbefleckten Empfängnis in Grassau. Darin berichtet Pfarrer Christoph Niederhauser an den Chiemseer Generalvikar am 29. 9. 1672:

„Hieryber ich diss berichtlich anfiegen wollen, das ungeue vor 14 Jahren Georg Ertl Burger vnd Wögner zu Wasserburg a alt abgangne Velt Capell zu Weyer, alwo er gebürtig, auf seinen Kosten aufmauern lassen, darein ich ain alt geschnitn nun mer aber neugefastes S: Leonardi bildt gesetzt, zu wellchen bej disser Orthen mermahlen Einreissenden rdo. Viechfählen die althiesige Paurschafft Ihr Andacht gesetzt vnd hi suecht und ain Geltopfer gethan, warzue ich mit dieser Intention ainen  Stockh gethan, damit das khonfftige Zeit da fahlens erfundne Gelt auf Interesse gelögt, vnd bei s weit erwachsendem Capital, das zu Einstöllung ainer Bruederschafft hergenomen werden möchte........“

Zudem berichtet der Pflegeverweser Georg Wilhelm Feuri am 6. November 1672 an den Kurfürsten:

„..von der Capeln Weyr/: alsß welche ain blosße claine Rechnung gleichwollen 193 Gulden 26 Kreuzer im Vermigen:/“ 150 Gulden zur neugegründeten Bruderschaft zur Unbefleckten Empfängnis hergeschossen.“

In einem um 1800 verfassten Repertorium aller Akten des Klosters Herrenchiemsee (Hauptstaatsarchiv München, Kl. Lit. Herrenchiemsee Nr. 107) findet sich bezüglich der Leonhardikapelle in Weiher folgender Eintrag:

„Die Kapelle zu Weyer ward ca. anno 1654 errichtet und 1699 noch keinem Gottshause beygelegt“.

Bemerkenswert sind die Votivtafeln in der Kapelle. (siehe unten Bildergalerie)


Leonardiritt

Die Kapelle war über viele Jahre Ziel der Leonhardiritte von Grassau aus. Unter der Losung

„Mit dem Ross, dem Pferde, Gott gelobet werde!“

wurde um die Hilfe des heiligen Leonhard gebetet.

Mitte des letzten Jahrhunderts schlief dieser Brauch ein, da die Pferde bei den Bauern des Ortes immer mehr durch die Traktoren ersetzt wurden.

Auf Initiative des Trachtenvereins, insbesondere Hans Hornberger und Hias Egart, wurde der Brauch um 1980 wieder belebt. Seither ist die Kapelle jedes Jahr Ende Oktober wieder Zielpunkt eines Leonhardirittes.

1991 erstellte das Landesamt für Denkmalspflege auf Anregung des direkten Nachbarn Alfons Baumgartner ein Gutachten über die Kapelle. Darin wurde ihr eine überörtliche Bedeutung zuerkannt. Dabei wurden aber auch schwere Schäden an der Bausubstanz und am Dach festgestellt. Für die notwendige Renovierung wurde ein Zuschuss gewährt.

Durch freiwillige Spenden aus der Bevölkerung, Zuschüsse des Landesamts, des Erzbischöflichen Ordinariats und der Gemeinde war es möglich, die Kapelle zu renovieren. Der Putz wurde abgeschlagen, die Feldsteine freigelegt und ein neuer Putz aufgezogen. Die großen Risse im Mauerwerk wurden verschlossen und auch der Dachstuhl ausgebessert. Das Dach und auch der kleine Glockenturm wurden mit handgespaltenen Lärchenschindeln neu eingedeckt.

Nunmehr erstrahlt die kleine Kapelle als Ausdruck bäuerlicher Frömmigkeit und Baukunst in altem Glanz. Zwar wurde sie bereits zum Leonhardiritt 2000 der Öffentlichkeit vorgestellt, doch erfolgt die offizielle Einweihung am 10. Juni 2001 mit dem Mietenkamer Kirchenchor, den Weisenbläsern der Grassauer Trachtenkapelle und der Marienbruderschaft Grassau.


Olaf Gruß