Grassau - Pumpstation „Brunnhaus Klaushäusl“

Nummer: 19

Baugeschichte

Um trotz des Holzmangels im Raum Reichenhall das kostbare Salz sieden zu können, ließ der bayerische Herzog Maximilian I. schon Anfang des 17. Jahrhunderts eine Leitung mit Pumpstationen von Reichenhall nach Traunstein bauen, weil dort Holz zum Salzsieden zur Verfügung stand.

Als auch im Raum Traunstein das Holz knapp wurde, wurde 1810 unter König Max Joseph I. eine zweite Soleleitung über fast 100 km von Bad Reichenhall nach Rosenheim gebaut, die bis 1958 in Betrieb war. Eine Pumpstation im Verlauf dieser Leitung war das Brunnhaus Klaushäusl.

Die Leitungen waren technische Meisterleistungen ihrer Zeit, vergleichbar den heutigen Pipelines für Öl und Gas. Die Funktionsweise der Anlagen ist in den im untenstehenden Literaturhinweis genannten Broschüren von Klaus Gluth und Martin Kuglstatter ausführlich beschrieben.

 

Gebäude

Der Komplex der Pumpstation besteht aus sieben Gebäuden (siehe unten Bildergalerie). An der Straße steht die Niederreserve (langgestrecktes Gebäude rechts), in die die Sole aus der östlichen Pumpstation in Staudach floss. Links daneben steht das Herz der Anlage, das Maschinenhaus mit der wassergetriebenen Pumpe, einer sog. Wassersäulenmaschine. Diese Pumpe beförderte die Sole in die 40 m höher gelegene Hochreserve (oben am Waldrand), von wo sie weiter in Richtung Rosenheim zur nächsten Pumpstation in Bernau (Bergham) floss. Die Pumpe wurde von Wasser betrieben, dem sog. Aufschlagwasser, das über 6 km vom Berg herunter geleitet wurde. Zur Regulierung des Aufschlagwassers diente das Aufschlagwasserhaus (auf halber Höhe des Berges unter der Hochreserve). Die übrigen, an der Straße liegenden Gebäude dienten dem Brunnwärter und seinem Gehilfen als Wohnhäuser und als Stallung. Das Funktionsschema ist der Broschüre von Klaus Gluth (vgl Literaturverzeichnis) entnommen.

Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz. Heute beherbergen das Brunnwärter-wohnhaus das sehr sehenswerte Museum Salz und Moor und das Gehilfenhaus ein empfehlenswertes Café (beide geöffnet von Mai bis Oktober).

 

Schlacht am Klaushäusl - Gedenkstein

Die Ortsbezeichnung Klaus stand immer für eine Engstelle, hier für die Engstelle zwischen dem Berg und dem damals bis fast an die Straße reichenden Moor (Kendlmühlfilze).

Hier kam es am 27. Oktober 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg zu einen Gefecht zwischen den Truppen von Herzog Albrecht IV von Oberbayern/München und des Kaisers Maximilian gegen die Truppen des Herzogs Rupprecht von Niederbayern/Landshut.

In der zeitgenössischen Chronik der Äbtissin Pfäffinger von Frauenwörth ist zu lesen: „zugen irer mayest. hauptleut … am sunntag (27. Oktober) durch dy Clawsen in das Grassertal in der clausen het man greben und wer gemacht vast stark. Der zug zoch gein Grassaw. Etliche welieben zu Rottaw dy verprentten siben hewsser da und dy kirch, dy pawernn fluchen an das pirg und dy moser, geschach vill schaden.“
(..zogen ihrer Majestät Hauptleut … am Sonntag (27. Oktober) durch die Klause in das Grassertal in der Klause hat man Gräben und Wehr gemacht fest stark. Der Zug zog gegen Grassau. Etliche blieben zu Rottau die verbrennen sieben Häuser da und die Kirche, die Bauern lohen in das Gebirge und ins Moor, geschah viel Schaden.“)

Ein Gedenkstein erinnert an dieses Ereignis (siehe unten Bildergalerie).

 

Quellen/Literatur

Gluth, Klaus; Brunnhaus Klaushäusl, Geschichte und technische Funktion einer Pumpstation an der Soleleitung von Reichenhall nach Rosenheim 1810 bis 1958, (Grassau 1994 ?)
Kuglstatter, Martin; Die bayerischen Soleleitungen, (Grassau 2012)
Ökomodell Achental e.V. (Hrg), Historischer Wanderführer - Auf den Spuren der Geschichte durch das Achental, (Schleching 2009)
Kießling,Gotthard/Reiman,Dorit; Denkmäler in Bayern – Landkreis Traunstein S. 171, (Lindenberg 2007)
Breit, Stefan; Chronik der Marktgemeinde Grassau, Band Häuserbuch (Grassau 2007)