Catalina & Mugurel Popovici

Es ist nun rund 25 Jahre her, dass Catalina und Mugurel Popovici an der Musikschule Grassau unterrichten, sie: Klavier, er Geige und Bratsche. Die Musikschule möchte ihnen für ihre Arbeit herzlich danken! In einem Interview berichteten Catalina und Mugurel Popovici über ihre Arbeit und ihre künstlerischen und pädagogischen Auffassungen.

Zwei Lebensläufe

Catalina Popovici absolvierte in Bukarest ein Studium an der Hochschule für Musik „C. Porumbescu" mit dem Konzertfach Klavier. Sie setzte ihre musikalische Ausbildung bei Meisterkursen in Weimar, Annecy (Frankreich) sowie in München und Salzburg fort. In den Jahren 1972 bis 1989 war sie Dozentin an der Spezialschule für Musik ,,George Enescu" in Bukarest, wo sie mit ihren Schülern hervorragende Ergebnisse sowohl bei allen nationalen als auch mehreren internationalen Wettbewerben (Stresa, Salerno, Marsala, Barcelona) erzielte. Gleichzeitig trat sie als Konzertpianistin in Rumänien, Frankreich und Deutschland; es gab zahlreiche Rundfunk- und Fernsehaufnahmen. Seit 1990 lebt sie im Chiemgau bei reger künstlerischer Tätigkeit als Solistin, Kammermusikerin und Korrepetitorin im Landkreis Traunstein. Ihre reiche pädagogische Erfahrung gibt sie mit viel Engagement seit Frühjahr 1990 an der Musikschule Grassau weiter.

Mugurel Popovici schloss ebenfalls ein Studium an der Hochschule für Musik in Bukarest (Konzertfach Bratsche) ab. Er setzte seine musikalischen Ausbildung bei Meisterkursen in Deutschland (Weimar), Frankreich (Annecy) und Italien (Lanciano) fort, arbeitete von 1972 bis 1988 als Dozent an der Spezialschule für Musik "George Enescu" in Bukarest, wo seine Schüler wertvolle Preise - nationale und internationale - gewonnen haben und als Solisten mit verschiedenen Orchestern in Konzerten auftraten. 1984/1985 war er Dozent für Bratsche beim Jugendorchester von Lanciano (Italien). Ab 1989 begann er, an der Musikschule Grassau zu arbeiten und hauptberuflich seit 1990 als Geigen- und Bratschenlehrer am Chiemgau Gymnasium in Traunstein, ebenso im Landschulheim.

Das Interview

Frage: Welche Ziele hatten Sie während Ihres Studiums?
Wir waren beide begeistert von der Musik. Für uns stand immer schon die klassische Musik im Mittelpunkt. Es gab auch Zeiten, in denen wir uns an die Spitze des Konzertlebens träumten – aber das blieb ein Wunsch. Unser Weg verlief in anderen Bahnen, Musikunterricht wurde uns zum Beruf.

Frage: Ihr Leben erfuhr durch den Wegfall des Eisernen Vorhangs eine dramatische Wende. Was bedeutete jene Zeit für Sie beruflich?
Wir wagten den großen Schritt, in den Westen zu gehen, und leben seitdem im Chiemgau. Die berufliche Umstellung war sehr groß, hatten wir doch vorher an einem großen Gymnasium mit musikalischer Ausrichtung unterrichtet. Musik gehörte zum Pflichtprogramm. Wir konnten davon ausgehen, dass die Schüler jeden Tag übten. Die Leistungen an der Schule waren sehr hoch, die Konkurrenz groß. Als wir nach Bayern kamen und uns bei Musikschulen bewarben, wussten wir, dass hier eine andere Arbeit zu leisten ist. Da wir uns entschlossen hatten, im Chiemgau zu bleiben (wir hatten zwei Kinder im Schulalter), richteten wir uns auf die neuen Aufgaben ein.

Frage: Wie erlebten Sie Ihren beruflichen Start als Lehrkraft an einer kommunalen Musikschule?
Wie schon gesagt: es war eine Umstellung. Die Schule war kleiner, im Unterricht war „Pionierarbeit“ nötig, da die Schüler ja ohne Vorkenntnisse zu uns kamen. Durch den damaligen Musikschulleiter Hans Josef Crump erfuhren wir viel Unterstützung und Verständnis. Die Schule hatte und hat eine sehr kollegiale Atmosphäre.
Was wir aus Rumänien und dem dortigen Schulsystem mitgenommen haben, ist der Leistungsbegriff. Das ging ohne Druck, aber es tat den Schülern auch gut, auf Erfolge stolz sein zu können.

Frage: Was lag und liegt Ihnen bei der Unterrichtstätigkeit besonders am Herzen?
Uns beiden liegt der intensive, individuelle Anfangsunterricht sehr am Herzen; wir wollen den Schülern eine gewisse Kontinuität geben und sie entsprechend ihrer Fähigkeiten voranbringen. Das heißt auch, dass wir mit den Kindern unterschiedlich umgehen. Zunächst sollten die Grundlagen, die Technik des Instruments vermittelt und solide eingeübt werden. Erst dann kann man die jungen Musiker an das Ensemble-Spiel heranführen.
Unser Augenmerk war immer auf die Klassik gerichtet. Dank Professor Sawallisch und der Sawallisch-Stiftung erfuhr diese Ausrichtung eine deutliche Verstärkung; wir waren froh über diese Fördermöglichkeit für die Schüler, denn mit der ursprünglich auf 30 Minuten begrenzten wöchentlichen Unterrichtseinheit waren Leistungsspitzen kaum zu erarbeiten. Auch dass die Freiwilligen Leistungsprüfungen häufiger wahrgenommen werden, begrüßen wir.
Im Laufe der Jahrzehnte haben wir Hunderte von Schülerinnen und Schüler auf ihrem musikalischen Weg begleitet, viele davon zu sehr guten Erfolgen. Es waren viele hochmotivierte Jugendliche dabei. Dazu zählen – neben anderen – im Fach Klavier Martina Windbichler, Julia Dobmeier, Anne und Lukas Lewerentz, Saskia Boxleitner, Johanna Wander und Theresa Meier, im Fach Geige bzw. Bratsche Veronika Richter (geb. Nedwed), Anna-Maria Dragun und Sabrina Schwarz. Mehrere haben ein Musikstudium aufgenommen.
Übrigens sollte der Lehrer die Begeisterung für die Musik, den Ehrgeiz und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten im Schüler wecken; das eigene Können darf man dabei nicht im Mittelpunkt sehen.

Frage: Wie sehen Sie das Profil (Stärken und Schwächen) der Musikschule Grassau?
Die Musikschule mit ihrer vielseitigen Ausrichtung hat ein sehr gutes Profil, die Lehrer begeistern sich für ihre Arbeit und sind leistungsfähig. Die Schule muss sich der Zeit anpassen mit ihrem breiten Angebot. Ich meine, sie muss auch ein Augenmerk auf das einzelne Talent haben und keinen Bereich begrenzen.

Interview: Uta Grabmüller.