Luftbild Grassau Zentrum, © Hans Vodermeier, Publicdesign

Artenvielfalt in Grassau

Öffentliche Flächen

Artenreiche Blumenwiesen waren einmal typisch für das Achental. Um die noch vorhandenen artenreichen und mageren Wiesen wieder besser miteinander zu vernetzen, nahm der Marktgemeinderat bereits 2013 ein Konzept an, das die ökologische Aufwertung öffentlicher Flächen mit einheimischen Wiesenblumen vorsieht. Oft sind die Abstände zwischen den blütenreichen Wiesen zu groß geworden. Da können kleinere Flächen als sogenannte Trittstein-Biotope Tieren und Pflanzen helfen, von einer Wiese zur nächsten zu gelangen. Grassau beteiligt sich darüber hinaus seit 2017 als eine von nur 6 Gemeinden im Landkreis Traunstein am Projekt „Naturnahes öffentliches Grün“. Stets geht es darum, Flächen so zu gestalten oder zu pflegen, dass die einheimische Artenvielfalt an Pflanzen wie an Tieren gestärkt wird. Der Flächendruck, dem die Landwirtschaft unterliegt, soll nicht zusätzlich erhöht werden, weshalb in erster Linie Verkehrsbegleitflächen oder der Umgriff von Trafohäuschen, Bushaltestellen u.ä. in die nähere Auswahl kommen. Zuletzt wurde beispielsweise 2018 eine artenreiche Wiese am Bienenschauhaus angelegt.

Blumenreiche Wiesen stellen aktuell das Landschaftselement dar, das am stärksten an Tier- und Pflanzenarten verliert. Während generell Gehölzstrukturen in der Landschaft zunehmen, gehen immer noch artenreiche Wiesen verloren oder werden artenärmer. Aus diesem Grund wird ein besonderer Schwerpunkt auf Wiesen gelegt.

Blumenwiese contra Blühfläche

Nicht jede Fläche mit bunten Blumen ist eine Blumenwiese. Im Handel sind vielfach Saatgutmischungen erhältlich, die einjährige Ackerkräuter wie Kornblume, Klatschmohn oder Kamille, aber auch typische Sommerblumen wie Ringelblume, Sonnenblume oder Schmuckkörbchen enthalten. Was noch im gleichen Jahr bunt blüht, verschwindet aber ebenso rasch wieder. Einheimische Blumenwiesen enthalten im Gegensatz zu den kurzlebigen Blühflächen ganz andere Arten wie Margerite, Flockenblume, Hornklee oder Glockenblume und sind damit auch bunt, aber dauerhaft und darüber hinaus an unsere Landschaft angepasst.

Blühflächen mit einjährigen Arten eignen sich als Übergangslösung für einen kurzen Zeitraum (1-2 Jahre), darüber hinaus sind sie nicht empfehlenswert: Sie müssen in kurzen Zeitabständen neu angelegt werden und verunkrauten nach wenigen Jahren so stark, dass sich die Blüten nicht mehr durchsetzen. Einheimische Blumenwiesen werden dagegen einmal angelegt und halten bei richtiger Pflege viele Jahrzehnte lang ohne jeden Zusatzaufwand. Blumenwiesen sollten nicht gedüngt und zweimal im Jahr gemäht werden. Weit verbreitet ist die Ansicht, Wiesen möglichst spät zu mähen, um den Pflanzen das Ausreifen der Samen zu ermöglichen. Eine späte Mahd führt allerdings in der Regel zu blütenärmeren Wiesen. Die Empfehlung lautet daher, Wiesen Ende Juni / Anfang Juli das erste Mal zu mähen, wie es bei der traditionellen Heumahd üblich war. Der zweite Schnitt kann dann im Herbst erfolgen.

Privatgärten

Blumenwiesen eignen sich auch als bereicherndes Element für Privatgärten. Wie auf öffentlichen Flächen auch sollte nicht die Neuanlage mit Umgraben des Bodens und Neuansaat im Vordergrund stehen, sondern zunächst geprüft werden, ob ein bestehender Rasen nicht bereits artenreich ist. In vielen Fällen ist das so – durch das beständige Mähen sind Blumen dann bislang nicht in Erscheinung getreten. Erst, wenn klar ist, dass eine Fläche tatsächlich blütenarm ist, kommen Ansaat oder andere Techniken in Betracht.

Praxisnachmittage 2019

An zwei Nachmittagen zeigte Stefan Kattari in Theorie und Praxis unterschiedliche Techniken, um zu vielfältigen Blumenwiesen zu kommen. Ziel ist es, möglichst vielen Personen das Wissen darüber zu vermitteln und zur Nachahmung anzuregen. Die Teilnehmer durften dabei gerne selbst Hand anlegen und die Techniken üben. Die beiden Veranstaltungen sind mit dem Landschaftspflegeverband Traunstein, dem Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege und der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Grassau nimmt damit eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Maßnahmen zur Artenvielfalt im Landkreis Traunstein ein.

Ansprechpartner

Stefan Kattari ist Biologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Anlage und Pflege von Blumenwiesen. Er ist in der Gemeindeverwaltung neben seiner Tätigkeit als Leiter des Museums Salz & Moor für Natur- und Umweltschutz zuständig: Tel. 4008-18 oder Email stefan.kattari@grassau.de