Kreisverkehr mit Blick auf Kirche, © Stefan Kattari
Luftbild Grassau Zentrum, © Hans Vodermeier, Publicdesign

Chronik Grassau

Das über tausendjährige Grassau zählt zu den ältesten Orten im Chiemgau. Obwohl fast alle Orte im Grassauer Tal bajuwarische Gründungen des 6. und 7. Jahrhunderts sind, hören wir erst 929 in einem Salzburger Regest von „Grazzowe" (Grassau). Darin übergab Bischof Adalbert von Salzburg seinem Chorbischof Gotabert unter anderem die Nutznießung mit Zehent und Leibeigenen der Kirche in der Grazzow.

In einer Urkunde von 1155 erscheint ein Pfarrherr namens Chuono, der Erbauer der ersten romanischen Steinkirche. Als Schirmvögte des Hochstiftes Salzburg im Chiemgau finden wir die mächtigen Grafen von Falkenstein, welche wiederum die einzelnen Gebiete ihren Ministerialen übertrugen. Zwischen 1127 und 1165 wird hier ein Edelgeschlecht, die Herren von Grazzowe, genannt. 1218 wurde das Pfarrgebiet aus der Erzdiözöse Salzburg ausgegliedert und der damals neugegründeten Diözöse Chiemsee zugeteilt.

Als weltliche Herren im Achental sind bis Mitte des 18. Jahrhunderts die Pfalzgrafen von Kraiburg-Ortenburg zu erwähnen, von deren Erbin Elisabeth Heinrich VIII. von Niederbayern (Bayern-Landshut) den Besitz erwarb. Damit kam das Tal zusammen mit der Herrschaft Grabenstätt an die Wittelsbacher. Diese errichteten hier im Jahre 1275 ein herzogliches Pfleg- und Kastenamt mit dem Sitz eines Pflegers in Marquartstein. Ein Verzeichnis der Abgaben um 1300 berichtet, daß der Herzog aus den Orten Grassau, Mietenkam, Piesenhausen und Guxhausen nur je ein Lamm als Steuer bezog.

Im Jahre 1321 erscheint letztmals − in einer Hohenaschauer Gerichtssache − als Zeuge ein Konrad von Grazower, möglicherweis ein Nachkomme des alten Ortsadels. 1444, unter Heinrich dem Reichen, stellte der Pfleger im Grassertal, Ulrich von Freyberg, reisiges Kriegsvolk zum Zuge gegen die Hussiten zusammen − im Lande blieb es jedoch ruhig.

Die Einwohner Grassaus waren inzwischen zu ansehnlichem Wohlstand gekommen. Die Bedeutung des Ortes wird herausgestellt durch den Erlaß Herzog Heinrichs des Reichen, der 1446 dem Ort die selben Freiheiten verlieh, wie sie der Markt Rosenheim innehatte.

Doch die Not- und Kriegszeiten verschonten auch das stille Grassauer Tal nicht. 1482 herrschte das große Sterben − die Pest.

Im pfälzisch-bayerischen Erbfolgekrieg hatte der Landstrich schwer zu leiden, als von Rottau her Kaiser Maximilian mit Truppen heranrückte und die herzogtreuen Bauern, die sich beim heutigen Klaushäusl verschanzt hatten, bis auf den letzten Mann aufrieb. Der 30jährige Krieg verschonte das Achental, jedoch wurde es ein Jahrhundert später im Spanischen wie im Österreichischen Erbfolgekrieg von Österreichern, Panduren und Kroaten gehörig ausgeplündert.