Karte Soleleitung 1796, © Museum Salz & Moor / Adrian von Riedl

Sonderausstellung 2019: 400 Jahre bayerische Soleleitung

Eher beiläufig wurde vor 400 Jahren die erste Pipeline moderner Bauart in Bayern in Betrieb genommen: die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein. Bis 1912 war sie in Betrieb, die Verlängerung nach Rosenheim gar bis 1958. Ohne die große Salzgeschichte sähe die Region heute sicherlich anders aus. Salz brachte Wohlstand und die Salzfabriken veränderten ihre Städte. Der prägende Einfluss ist bis heute erkennbar, auch wenn der längste Teil der Soleleitung heute der Vergangenheit angehört.

Karte Soleleitung 1796, © Museum Salz & Moor / Adrian von Riedl
Karte Soleleitung 1796

Sonderausstellung geöffnet ab 1. Mai 2019!

Eine Rohrleitung von Reichenhall nach Traunstein zu bauen, 31 Kilometer lang, mit 250 Metern Höhenunterschied, den es zu überwinden galt, das war 1617 ein großes Wagnis. Hanns und Simon Reiffenstuel brachten den Mut und das Können mit, diese Arbeit innerhalb von nur zwei Jahren auszuführen und gleichzeitig eine Saline in Traunstein zu errichten. Die dazu nötigen Pumpwerke machen die erste der bayerischen Soleleitungen zum rekordverdächtigen Weltwunder: zur ersten modernen Pipeline der Welt.

Warum dieser Aufwand? In Reichenhall kennt man seit Menschengedenken salzhaltige Quellen. Diese Sole wurde über Holzfeuern gesiedet, bis das rieselfähige Salz übrigblieb. In früheren Jahrhunderten ein enorm wertvolles Gut! Doch Süßwasser verdünnte die Reichenhaller Solequellen, so dass viel Holz zum Befeuern der Siedepfannen benötigt wurde. Holz war schon deshalb knapp, weil die bayerische Stadt von drei Seiten von fremdem Territorium umschlossen ist: Salzburg und das damals noch unabhängige Berchtesgaden.

Der Plan, die Sole dorthin zu leiten, wo es ausreichend Holz gab, wurde auch von Zeitgenossen nicht als abwegig aufgefasst. Im Gegenteil, die dafür notwendigen Techniken waren bekannt: Rohrleitungen konnte man schon lange herstellen, und von Wasserrädern angetriebene Pumpen waren ebenfalls bereits gut erprobt. Die Leistung von Hanns und Simon Reiffenstuel bestand deshalb im Wesentlichen darin, dass sie erstmals Rohre und Pumpen zu einer derart langen Leitung kombinierten. Darüber hinaus ist die Planung der Leitungsführung aus heutiger Sicht bewundernswert, denn die Landesvermessung sollte erst Jahrhunderte später exakte Karten liefern. Dennoch gelang es, die Leitungstrasse im schwierigen Gelände in idealer Weise festzulegen und die Pumpstationen an geeigneten Standorten zu platzieren. Nur südlich von Inzell musste man während des Baus nachjustieren: dort wurde ein weiteres Pumpenhaus errichtet, nachdem es zuvor Probleme gegeben hatte.