Hefteranwesen, © Angeline Bauer

Andreas M. Hofmeir mit "Kein Aufwand Teil 2"

„Kein Aufwand“ für Andreas Martin Hofmeir
Tubist gastierte in Grassau und begeisterte Publikum

Grassau (tb) – Was scheut ein Tubist am meisten? Aufwand! Der Tubist Andreas Martin Hofmeir begeisterte im Grassauer Heftersaal mit seinem Bühnenprogramm „ Kein Aufwand Teil 2“.
     Nachdem der Ausnahmemusiker, der die Tuba virtuos zu spielen versteht, bereits mit dem ersten Teil seines Programms im vergangenen Jahr im Heftersaal begeistern konnte, fragten sich viele, ob auch der zweite Teil ebenso einfallsreich und lustig werden würde. Niemand wurde enttäuscht, denn Hofmeir zog mit seiner gemütlichen, humorvollen und trockenen Art das Publikum sofort in seinen Bann. Musikalisch wurde er erneut vom Pianisten Tim Allhoff begleitet.
    Andreas Martin Hofmeir, einst Mitglied von „La Brass Banda“, kann in seinen jungen Jahren bereits auf ein recht ereignisreiches Leben zurückblicken. So las er dem Publikum aus seiner „tragisch depressiven“ Biographie vor und widmete sich zunächst dem Wehrdienst. Er vermutete, dass im Versailler Vertrag eigens eine Planstelle für Tubisten im Wehrdienst eingetragen wurde und er diese im Militärorchester belegen durfte. Dennoch betonte Hofmeier, dass alle Tubisten Pazifisten seien und er am Gymnasium als Anarchist galt. Umso schwerer viel ihm Disziplin und Unterordnung im Militär. Kurz ging er weiter zu den wilden zwei Studentenjahren in Berlin. Ein Fortkommen sei dort aufgrund seiner Clique nicht möglich gewesen. In dieser Umgebung gelang ihm nur der Weltrekord im Pausemachen. Ein Erasmus Stipendium führte ihn nach Stockholm. Dort kam er bei einer sehr netten Dame unter, der besonders sein auswendig gelerntes schwedisches Gedicht gefiel. Diese Zeit in Schweden, die ihn auch nach Finnland führt, wo er musikalisch eine finnische Sauna eröffnet, eine Krankenschwester liebte und von deren Ex bedroht wurde und beim Weltrekord im Tuba Weitwurf mitmachte, war ebenso prägend wie die nächsten Jahre zurück an der Berliner Hochschule. Er erhielt ein Stipendiat an der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker. Weniger seine Stationen, vielmehr seine skurrilen Begegnungen, wie die im Zug mit einer Pornodarstellerin, sorgten für anhaltende Lacher im Publikum.  Fast hätte man da vergessen, welch fantastischer Tubist Hofmeier ist. Mit seinen „brasilianischen Liebesliedern“ holte er sein Auditorium aber immer wieder zurück, ließ dieses die Ohren spitzen und dem Spiel auf seiner Tuba „Fanny“ lauschen. Begeisternd applaudierte die Zuhörerschaft und staunte über die Möglichkeiten, die das unterschätzte Instrument bietet. Doch Hofmeir zeigte auch, dass er durchaus auch anderen Instrumenten, die er jedoch persönlich als nicht so attraktiv empfindet, besonders schöne Melodien entlocken kann. Seine  Trompete „Franz“,  sowie seine Posaune „Frau Griesmeier“ können der „Fanny“ jedoch nicht das Wasser reichen. So liebkoste er sein glänzendes, großes Instrument und ließ die These des Abends: „Die Tuba ist das jüngste und hoch entwickelste Instrument aller Zeiten, alle anderen sind nur rudimentär entwickelte, prähistorische Vorläufer der Tuba“ vom Publikum immer wieder skandieren.
     Trotz seiner vielen Auslandsaufenthalte ist der 40jährige, aus der Holledau stammend, so erfrischend bairisch, so unkonventionell und so sympathisch. Barfuß und so ganz normal, einfach gemütlich wie Tubisten eben sind, also alles ohne Aufwand, sitzt er auf der kleinen Bühne, beschwert sich noch über das „Gemüse“, dass er nicht dort hingestellt habe, wundert sich über den vollen Saal und kombiniert bravourös sein musikalisches mit seinem kabarettistischen Talent in  fesselnder Art. Kein Wunder, dass das Publikum immer noch mehr Zugaben abforderte und den Professor, der in Salzburg lehrt, schlicht nicht entlassen wollten.  Ebenso begeistert waren die Zuhörer aber auch von dem Pianisten Timm Allhoff, der ebenfalls so gar nicht dem Klischee eines Konzertpianisten entsprach und mit seinem fulminanten Spiel ebenso überzeugte. tb