Wuid und Dahoim - Johann Baptist Schmuck, Posaune, Heinrich Albrecht, Akkordeon, Thomas Hartmann, Klavier,  im Konzert im Anwesen Wolfgang Sawallisch 2017, © Musikschule Grassau

Wuid und Dahoim – Crossover trifft Volksmusik“

Grassau. Für „Wuid und dahoim“ stand ein Konzert mit Witz, Frotzeleien, guter Laune und toller Musik. Manchmal glaubten sich die Zuhörer im Probenkeller ausgelassener, für Musik brennender Jugendlicher. Doch immer wieder wurde klar: Das waren mit Heinrich Albrecht, Gesang, Ziach, Johann Schmuck, Bassposaune, Alphorn, Tuba, und vor allem Thomas Hartmann, Klavier, über Landesgrenzen bekannte Musiker. Sie sind zudem Musiklehrer bzw. Musikschulleiter der Musikschulen Inzell, Grassau und Traunwalchen, die im Konzert aus dem Schema herkömmlicher Stile ausbrechen. Und das war ein Konzert im ausverkauften Kammermusiksaal des Anwesen Sawallisch, mitinitiiert von der gleichnamigen Stiftung.

Klassik driftet ab

Weil sie es können, spielten sie anspruchsvolle klassische Stücke. Kaum hatten es sich die Zuhörer darin wohlig eingerichtet, trieben die Musiker in ihrer Interpretation ab und schon griff der Jazzrhythmus und es ging dahin. Die Drei nahmen sich keinesfalls ernst, wenn sie aus ihren Proben berichteten, wenn sie erzählten, dass sie sich schon mehrfach in der Interpretation eines bestimmten Stückes verloren, so dass es am Ende nicht zusammenpasste. „Da ist es nützlich, wenn wir den genialen Hartmann haben“, so seine Mitmusiker. Musikschullehrer können Noten lesen und so komponierte Hartmann für sie die Improvisationen zu einem verlässlichen Ende.

Eine Reise durch die Musikwelt

Solches Lob untereinander blieb die Ausnahme. Eher frotzelten die Drei über die Fähigkeiten der anderen. Und als Albrecht die ersten Takte zum Instrument der falschen Tonlage griff, schlachteten die Kollegen das abendweit aus.
Hartmanns Kompositionen brachten den Witz aus den Worten in die Musik. Es sind oft pompöse Kompositionen, die über Jahre entstehen, mal pausieren und nie fertig werden. Gespielt wird immer die aktuelle Tagesversion. Der Titel entwickelt sich mit. Zuerst hieß es „Nacht“, dann „Schmetterling, der in der Kirche fliegt“, ehe die jetzt aktuelle Version den Namen „Traurige Polka im Dreivierteltakt“ trägt. Für die Musiker sind die Kompositionen aufgrund ihrer Länge physische, aufgrund ihrer Schwierigkeit auch psychische Herausforderungen. Für die Zuhörer sind sie beste Unterhaltung, wenn die Musik sie durch die Epochen und Stile aus der Klassik über das Kinderlied bis zum Evergreen treibt. Da brach dann langer Beifall aus.

Perfektes Zusammenspiel

Das Zusammenspiel der drei funktioniert grandios. Spielt Jo Schmuck das Alphorn machtvoll draußen vom Bichl über den Ort, dass es durch die Fenster hallt, übernimmt drinnen Albrecht gefühlvoll in Takt, Betonung und Lautstärke mit dem Akkordeon. Und als Schmuck das machtvolle Instrument in den Raum trägt, findet er ebenso in das leichte, leise Spiel der anderen. Alle haben Gelegenheit sich in Soli zu präsentieren. Hartmann liefert dazu rasende Paganini Versionen hinein in den Jazz. Schmuck befreit das Alphorn aus der alpenländischen Landschaft und reist mit ihm durch die Welt. Und Albrecht variiert wunderbar zwischen Akkordeon und Gesang.

Musikalische Experimente

Immer wieder war der Zuhörer versucht, sich vorzustellen, was die drei schon mit ihren Musikinstrumenten versucht haben. Von einem Hartmann, der sein Klavier zupft, einen Schmuck, aus dem Alphorn ein Schlaginstrument macht oder die Bassposaune durch alle Stilrichtungen treibt, und einen Albrecht mit mitreißendem Gesang und Akkordeonvariationen, ist alles schon versucht. Das Beste hatten sie an diesem Abend mitgebracht.

AC/DC im Kammermusiksaal

Am Ende begeisterten dann Stücke von Bob Marley und AC/DC das mal staunende dann mitgerissene Publikum. Im Resümee gilt das, was Johann Schmuck sieht, auch für die Zuhörer. „Für uns ist es wie in einem großen Wohnzimmer.“

Meinungen

Immer schon hat sich das Trio bemüht, im Kammermusiksaal mit seiner besonderen Atmosphäre und den beiden großartigen Flügeln zu spielen. „Wir haben großes Glück, von der Stiftung diesen Termin bekommen zu haben“, sehen die Musiker: „Das Konzert selber hat uns sehr Spaß gemacht: Das schöne Wetter draußen, die Alpenklänge aus dem Wald und das Aufmischen im Konzert.“