Philipp Weber

Philipp Weber

Der vielfach preisgekrönte Philipp Weber ist großartiger Satiriker und Komiker in Personalunion. Weber bringt moralischen Zeigefinger, Clownerei und ironische Überspitzung mit solch fantasievollem Wortwitz in Einklang, wie nur wenige andere Kabarettisten. Im Kampf gegen Süchte und Ökologiesünde setzt er sein Publikum unter Dauerbeschuss mit Schlagwörtern wie Volkssedativum, Gamma-Amino-Buttersäure, Lifestyle, Fair Trade und Leistungswahnsinn. Ernste Themen, die er auch ernst zu nehmen verstanden haben will, wie Weber deutlich sagt.

"Durst" ist sein Programm, in das sich konsequenterweise so manche Szene aus seinem Vorprogramm "Essen" einschleicht. Weshalb gibt es nur Ess-Shows, aber keine Trinkshow, fragt er, wo doch Trinken das Erste im Leben ist, was man tue: "Muttermilch - fad, aber an der Verpackung gibt's nichts zu meckern." Weber stellt die Lebensmittelindustrie an den Pranger und hält dabei denen den Spiegel ebenso vor, bei denen Trinken zur Sucht wird, wie den Öko-Ignoranten. "Zucker ist das Chrystal Meth der Lebensmittelindustrie." Zucker im Alkohol verführt Jugendliche erst zum Trinken, sagt Weber nicht ohne den Hinweis darauf, dass auf 25.000 alkoholvergiftete Jugendliche immerhin 27.000 Rentner mit demselben Syndrom kommen. Alkohol sei ein Volkssedativum, das wie der in Geschmacksverstärkern enthaltene Neurotransmitter Gamma-Amino-Buttersäure das "Belohnungszentrum im Gehirn" aktiviert. Nebenbei entlarvt er so Jesus als "Religionsstifter und Kampftrinker". Sechs Amphoren Wasser habe er bei der Hochzeitsfeier zu Kana in Wein umgewandelt: "Eine Amphore sind 100 Liter. 600 Liter Wein für eine Hochzeit?"

Weber ärgert sich über das Fair-Trade-Gebaren: "Ein Sauerei-Siegel wäre doch ausreichend, das alle 100 Fair-Trade-Siegel ersetzt." Ebenso wenig hält er von Kapselkaffeemaschinen, "das sind 6000 Tonnen Alumüll", sagt's und rechnet vor: "Das sind 60 Euro je Kilogramm Kaffee, dafür kann ich mir handverlesenen Ökokaffee leisten." Er sei kein Ökospießer, aber Müllproduzent wolle er auch nicht sein. Fakten, Kalauer und satirische Spitzen des Odenwälders prasseln wie Maschinengewehrsalven auf das Publikum.

Nach der kurzen Pause schaltet er noch einen Turbogang höher, der Kabarettist traktiert seine Zuhörer mit noch mehr Zahlen, deren Wahrheitsgehalt dem studierten Biologen und Chemiker zweifelsfrei abgenommen wird.