Lei Meng, © Lei Meng

Klavierabend mit Lei Meng

Pianistin Lei Meng gibt Klavierkonzert für die Musikschule Grassau

Lei Meng unterrichtet seit diesem Schuljahr Klavierschüler an der Musikschule in Grassau. Am Samstag, den 28.04.2018 gab sie in der Aula der Mittelschule Grassau ihr Vorstellungskonzert.
Das Programm bot den Hörerinnen und Hörern, darunter erfreulich viele Jugendliche, reiche Abwechslung und begann mit dem Rondo C-Dur op. 51/2 von Ludwig van Beethoven. Dieses Stück, das auch manch fortgeschrittener Schüler bewältigen kann, ist nur vermeintlich leicht zu spielen. Bereits hier wurde hörbar, was sich als roter Faden durch den Abend ziehen sollte: Kein Ton einer Melodie ist bei Lei Meng einfach so dahingespielt. Die Linien sind wohl durchdacht und voller Spannung, jeder Stimmungswechsel ist fein ausgelotet. Sie entlockt den Werken vielseitige Farben und Stimmungen, ohne dass dies je aufgesetzt oder übertrieben wirken würde. Oder in einfachen Worten: Lei Meng kann auf dem Klavier Geschichten erzählen, die das Publikum fesseln! Die „Geschichten“ dieses Abends waren die der ganz großen Klavierliteratur. Beethovens Sonate „Les Adieux“ gehörte dazu. Meng verstand es hervorragend, die programmatischen Titel „Der Abschied“, „Die Abwesenheit“ und „Das Wiedersehen“ mit Leben zu erfüllen.
Domenico Scarlattis Sonaten sind ursprünglich für die verschiedenen klingenden Manuale eines Cembalos komponiert. Werden sie auf dem modernen Klavier gespielt, so steht nur ein einziges Manual zur Verfügung. Auch hier zeigte Lei Meng, wie sie durch verschiedene Klangfarben den Charakter eines Dialogs zaubern und die Sonaten zum Sprechen bringen kann.
In Frédéric Chopins Ballade in g-Moll weicht das kleingliedrige Dialogisieren weiter gefassten melodischen Bögen und dramatischeren Passagen. Die unterschiedlichen Charaktere dieses Stücks vermochte die Pianistin einerseits tonlich sehr variabel darzustellen, andererseits erzählte sie diese Ballade wie aus einem Guss, ein Bogen wurde gespannt, der große Zusammenhang ging nie verloren. Zur Fähigkeit der klugen, musikalisch sinnvollen, immer schlüssigen und vor allem tonschönen Gestaltung kam bei Chopin aber eine weitere: Lei Meng steht in meisterhafter Weise über den technischen Anforderungen, die die Werke an sie stellen. Virtuosität war vor allem in Prokofjews dritter Klaviersonate und in schier unglaublicher Weise in den Variationen über einen Choral von Henri Dutilleux gefordert. Jede noch so anspruchsvolle Passage blieb bei ihr durchsichtig, ohne dabei an musikalischer Aussagekraft zu verlieren!
Dieser Klavierabend hat mich an ein außergewöhnliches Erlebnis erinnert: Vor gut 25 Jahren hörte ich einen Klavierabend einer Pianistin und Klavierlehrerin in meiner niederbayerischen Heimat Eggenfelden. Das Konzert hatte mich seinerzeit derart begeistert, dass ich wusste: Bei dieser Pianistin musste ich Unterricht bekommen! Wenn ich heute Schüler wäre, es wäre mir am vergangenen Samstag ähnlich ergangen. Die anwesenden Schüler von Lei Meng dürften sehr stolz auf ihre Lehrerin gewesen sein. Das Publikum auf jeden Fall war fasziniert und zu Recht begeistert.
Wer diesen beeindruckenden Klavierabend verpasst hat oder wer Lei Meng wieder hören möchte: Am 26. August wird sie in der Villa Sawallisch zusammen mit Albert Osterhammer, Klarinettist bei den Münchner Philharmonikern, einen Duoabend geben. Am 15. Dezember spielt sie mit dem Wasserburger Kammerorchester das erste Klavierkonzert von Frédéric Chopin. Den Erlös des Abends spendete die Pianistin im Übrigen der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung und der Eigner-Stiftung, die beide die Musikschule Grassau in ihrer Nachwuchsarbeit unterstützen. Auch dafür: Bravo!

Autor: Stefan Unterhuber