Quintett der Grassauer Blechbläser in der Kirche am Streichen in Schleching, © Sybilla Wunderlich, Schleching

"Klassisch – Bayrisch“ - mit den Grassauer Blechbläsern durch die Jahrhunderte

Schleching – „Klassisch – Bayrisch“ lockte ein besonderer musikalischer Leckerbissen die Besucher in die kleine Kirche hoch oben auf dem Streichen. Im Rahmen des Chiemgau Alm Festivals traten die Grassauer Blechbläser auf - dieses Mal als Quintett.

Seit zwanzig Jahren kommen die Künstler in die St. Servatius Kirche am Streichen, berichtete Barbara Reichenbach als Organisatorin. Matthias Linke, Konrad Müller (Trompete, Flügelhorn und Piccolo), Sebastian Krause (Waldhorn), Wolfgang Diem (Tenorposaune) und Johann Schmuck (Bassposaune) starteten in einen furiosen Auftakt mit der Ouvertüre zu „Fairy Queen“ von Henry Purcell. William Shakespeares „Sommernachtstraum“  hatte den komponisten Ende des 17. Jahrhundertszu diesem Stück inspiriert. Mit dem englischen Komponisten Anthony Holborne und seiner „Suite of Elizabethan Dances“ folgte ein Musiker aus der Zeit  der Königin Elisabeth I.. Mit einem Zeitsprung von 200 Jahren landeten die Musiker nun bei Frederic Chopin. Johann Sebastian Bach mit seiner für die damalige Zeit völlig neuen Sammlung von Präludien und Fugen war dabei Vorbild für Chopin, wusste Moderator Johann Schmuck. Die Musiker spielten vier Teile des Klavierzyklusses von Frederic Chopin „24 Prèludes, op 28“. Die Musik unterstrich die Spannung zwischen düsterer Melancholie, poetischer Melodienseligkeit und kraftvoll aufflammender Leidenschaft.
Komponist Dimitri Schostakowitsch griff einhundert Jahre auf „Das wohltemperierte Klavier“ Bachs zurück. Der Komponist hatte sein Leben und die Arbeit  in Angst vor dem Regime unter Stalin verbracht. Sein Stück „The Bolt“ verbot die Obrigkeit gleich nach der Uraufführung in Leningrad als „Industriespionage“. Mit den nächsten vier Stücken von dem deutschen Komponisten Samuel Scheidt lenkten die Musiker das Publikum in ruhige Bahnen- Mit seiner   Suite aus „Ludi Musici“ ging es mit Tänzen und Fantasien in die späte Renaissance.

Mit dem Komponisten Hans Kröll und seinem Stück „A kloans Gsatzl“ eröffnete das Quintett den zweiten, den bayerischen Teil des Abends. „Jägers Abschied“ (Franz Umlauf) passt sehr gut nach Schleching, dem angeblichen „Wilderer Ort“, schmunzelte Johann Schmuck. Nach näherer Recherche stellte er aber fest, dass es sich um Frauen-Jäger handelt. Als der dazu den Gedichttext mit seinem sehr traurigen Ende vortrug, seufzte das Publikum tief auf. Den Abschluss in der Kirche setzte die Tiroler Volksweise „Und steig‘ mas aufi aufs Bergele“. Das Publikum belohnte mit viel Beifall.
Vor der Kirche dann ein Alphorn-Trio der Musiker. Die vielen Gäste saßen, standen oder lagen auf der Wiese vor der Kirche und lauschten den Alphorntönen.  Besonders das letzte Stück „Amazing Grace“ gefiel in der einmaligen Atmosphäre am Berg in einem schönen Sommerabend. Gemütlich fand der Abend im Berggasthof Streichen einen schönen Ausklang.   

Text und Foto: Sybilla Wunderlich, Schleching