Dr. Gunter Greffenius - Anwalt, Musiker und Stifter, © Musikschule Grassau

Dr. Gunter Greffenius - "Wir können durchaus etwas stemmen!"

Der Anwalt Dr. Gunter Greffenius gründete gemeinsam mit seiner Frau im Jahr 2004 die Gunter und Waltraud Greffenius-Stiftung. Deren Ziel ist es, Kinder und Jugendliche, die deutliche Begabung zeigen, deren Familien aber nicht viel Geld haben, in ihrer Ausbildung auf künstlerischem Gebiet zu unterstützen, sei es in Musik, Malerei oder Tanz.

Gunter Greffenius ist in Hannover geboren und seit Jahrzehnten in München-Grünwald zu Hause. Natürlich sind wir nur eine kleine Stiftung, aber wir können durchaus etwas stemmen“, wird Waltraud Greffenius in einem Pressebericht zitiert. Die Malerin und Designerin weiß ebenso wie ihr Mann Gunter, der zwar lange als Anwalt berufstätig war, aber bereits seit seiner Kindheit selbst musiziert, auch komponiert und noch heute mit seiner Band „Music Swing Stars“ als Vibraphonist liebend gerne auf der Bühne steht, wie sehr musisches Schaffen das Leben bereichern kann. Beide haben in ihrer eigenen Kindheit die Unterstützung des Elternhauses genießen dürfen und erfahren, wie motivierend die familiäre Förderung war. Wenn aus finanziellen Gründen diese Förderung zu scheitern droht, will die Greffenius- Stiftung helfen.

Für das Jahr 2017 hat Dr. Gunter Greffenius erstmals vor, einen Förderpreis für die Musikschule Grassau auszuschreiben.

  1. Herr Dr. Greffenius, was sagen Ihnen die Namen Wolfgang Diem, Michael Keul oder Teacher’s Groove?
    Über Michael Keul, den Schlagzeuger bei „Music Swing Stars“, den ich außerordentlich schätze, kam der Kontakt zu Wolfgang Diem zustande: Ich habe ihn inzwischen einige Male getroffen – er ist für mich inzwischen das Gesicht der Musikschule Grassau. Einige gute Ideen zur Zusammenarbeit haben wir uns inzwischen gemeinsam ausgedacht, z. B. einen Förderpreis für begabte, aber finanziell nicht gut gestellte Musikschüler, ein gemeinsames Benefizkonzert in Grünwald am 11. Mai 2017: Unter dem Motto „Jazz meets Classic“ treten das Grassauer Blechbläser Ensemble und die Munich Swing Stars“ zusammen auf – spannend! Von der Lehrer Bigband Teacher’s Groove habe ich schon viel gehört; Michael Keul leitet sie ja, und was er unternimmt, ist prima. Ich würde die Band gerne mal in einem Konzert hören.

  2. Wie wurden Sie auf die Musikschule Grassau aufmerksam?
    Wie gesagt: Der Verbindungsmann ist Michael Keul. Er ist ja ein derart guter Musiker, dass es mich sehr beeindruckt hat zu hören, dass er an dieser Musikschule unterrichtet. Da dachte ich mir: Da muss ja was dran sein. Ich freue mich auch, die guten Musikschülerinnen und – schüler beim Stiftungskonzert am 28. Januar in Grassau zu hören! Vielleicht kommt sogar unser Greffenius-Quartett zu einem kleinen Gastspiel dazu …

  3. Was hat Sie überzeugt, dass diese Musikschule eine besondere gute Ausbildungsstätte ist?
    Da ich auch der Musikschule in Grünwald eng verbunden bin, interessiert mich die Jugendarbeit einer Musikschule sehr. Grassau ist hier ein besonders positives Beispiel, sowohl was die Breite der Ausbildung als auch was die Spitzenförderung betrifft. Ich habe auch gehört, dass die Musikschule Grassau als Arbeitgeber für hervorragende Musikpädagogen besonders attraktiv ist. Das steigert natürlich die Qualität einer solchen Einrichtung – künstlerisch und didaktisch. Die Musikschule Grassau hat einen sehr guten Ruf.

  4. Ihre eigene Biografie spiegelt einerseits ein professionelles Berufsleben als Anwalt wider, andererseits scheinen Sie auch stets getragen worden zu sein von Ihrer Leidenschaft für Musik und Sport. Welche Rolle spielen diese Bereiche für Sie?
    Die Juristerei kam ebenso zu ihrem Recht wie Sport und Musik – alles war für mich wichtig. In der Jugend waren Sport und Musik manchmal Konkurrenten, dann kam das notwendige Studium und die Arbeit als Anwalt, damit ich die Familie – wir haben drei Kinder – versorgen konnte, aber Sport und insbesondere Musik sind nie aus meinem Leben verschwunden. Einige Jahre lang war ich auch hauptberuflich als Musiker unterwegs. Nun, mit 77 Jahren, genieße ich es wieder, vor allem als Künstler aktiv sein zu können. Meiner Frau geht es ebenso: Für sie als Malerin war die bildende Kunst immer ein wichtiges Lebenselixier. Die Einnahmen aus unserer künstlerischen Tätigkeit fließen ausschließlich in unsere Stiftung.

  5. Sie streben mit Ihrer Stiftung an, begabten Kindern zu künstlerischer Ausbildung zu verhelfen, die ihnen die Eltern aus wirtschaftlichen Gründen nicht geben können. Welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen Jahren gemacht?
    Sehr gute. Wir wissen, dass das Elternhaus die Basis für eine gute Entwicklung der Kinder ist – sie geben ihnen die äußeren Bedingungen und die innere Motivation. Eine Ausbildung in Musik, Kunst oder Tanz ist aber kostspielig, machen wir uns da nichts vor. In den Fällen der von uns Geförderten haben wir so wunderbare Erfolgsgeschichten erlebt, dass es für uns großes ein Geschenk ist, die Freude der Kinder und Jugendlichen erleben zu dürfen.

  6. Ihre musikalische Liebe gilt dem Jazz. Schließen Sie andere Musikbereiche auch in Ihre Stiftungsförderung ein?
    Ja, natürlich. Wir schließen bei der Auswahl für Förderungen keinen künstlerischen Bereich aus. Wir verlangen auch nicht den Nachweis einer Hochbegabung. Begabung ja, dazu Zielstrebigkeit und fehlende wirtschaftliche Möglichkeiten der Eltern. Wo da der Ausbildung ein Zuschuss der Stiftung zugute kommen kann, sind wir dabei.

  7. Wer ein Instrument lernt und begabt ist: Muss er oder sie zwingend die Musik zum Beruf machen? Oder lassen Sie bei den geförderten Jugendlichen auch gelten, wenn sie einen anderen Lebensweg wählen?
    Meine Frau und ich haben selbst erfahren, welch große Bereicherung in künstlerischer Beschäftigung liegen kann – auch unabhängig vom Hauptberuf oder dem jeweiligen Lebensschwerpunkt. Deshalb sprechen wir uns auch generell dafür aus, dass z. B. das eigene Musizieren gefördert werden soll, denn sie dient immer als Lebenselement, als stärkende lebenslange Begleitung. Ich habe in meinem Leben auch die Erfahrung gemacht, dass eine duale Ausbildung oder eine doppelte beruflich Qualifizierung die Menschen stärkt und ihnen mehr Entwicklungschancen gibt. Also: die jungen Menschen sollen frei ihren Lebensweg wählen.

  8. Herr Dr. Greffenius, wann ist man zu jung für Musik, wann zu alt?
    Nie! Weder das eine – noch das andere: Musik gehört immer zum Leben.

Interview: Uta Grabmüller 12.12.2016