Annelise Strehhuber

„Ich hab‘ als Erste mit dem Crump telefoniert.“

 

Zum Ende des Festjahres 2015, in dem die Musikschule ihren 40. Geburtstag feierte, lassen wir Anneliese Strehhuber, die Witwe des damaligen Bürgermeisters Konrad Strehhuber, aus der Ortsgeschichte plaudern. In einem Gespräch mit Wolfgang Diem erzählte sie, wie sie die Gründung der Musikschule vor 40 Jahren erlebt hat.
Die Münchnerin Anneliese Strehhuber kam 1974 mit ihrer Familie und ihrem Mann Konrad, der kurz zuvor zum Bürgermeister gewählt worden war, nach Grassau. Zunächst lebte die Familie in Rottau, dann im damals neuen Baugebiet der „Bergstraßen“, das heute an den Golfplatz angrenzt. Seit vier Jahrzehnten also ist sie mit allen Entwicklungen im Ort – vom Kindergarten über Schule und Kirchengemeinde bis zur Bücherei – sehr gut vertraut.
Kurz vor dem Gespräch war sie gerade zurückgekehrt von ihrer jüngsten Reise nach Rognonas, der Partnergemeinde von Grassau, die mit der Familie Strehhuber seit langem in enger Verbindung steht,

Frage: Wie war die Fahrt nach Rognonas?


Schön war’s. Die Fahrt verlief gut, und das Bier und die Wurst, die wir acht Grassauer mitgebracht haben, waren sehr willkommen.
 

Wie kam es vor 40 Jahren zu der Idee, in Grassau eine Musikschule zu gründen?

Mein Mann hatte einfach diese Vision. Schon vor der Wahl hat er zu mir gesagt: „Wenn ich Bürgermeister werde, gründ‘ ich eine Musikschule“. Vor der Wahl war er oft im Dorf unterwegs und hat sich in vielen Häusern vorgestellt. Da hat er gemerkt, dass die Leut der Musik gegenüber sehr aufgeschlossen waren. Es wurde schon viel musiziert, aber es hat an gut ausgebildetem Nachwuchs gefehlt.
 

Weißt du noch, wie das dann abgelaufen ist?


Auf jeden Fall ganz schnell. Die Bürgermeisterwahl war 1974, und schon im Sommer 1975 hat Konrad mit dem Geschäftsführer der VBSM (Verband bayerischer Sing- und Musikschulen) gesprochen, ob er nicht wen wüsste, der als Musikschulleiter in Frage käme. Kurz zuvor hatte zufällig bei ihm ein gewisser Hans Josef Crump aus Nordrhein-Westfalen angefragt, ob in Bayern nicht eine Musiklehrer-Stelle frei wäre. 
Eines Tages also klingelte bei uns das Telefon – und ich hab‘ als Erste mit dem Crump telefoniert. Dann hat mein Mann ein Treffen mit ihm ausgemacht. Wir sind nach München gefahren, und beim Fischbrunnen am Marienplatz haben wir uns getroffen. Kennzeichen: Abendzeitung. Wir sind zum Weißwurschtessen gegangen. Kurz darauf waren Konrad und er sich einig.
 

Jetzt musste aber doch das alles noch in Grassau besprochen und beschlossen werden. Wie lief das denn ab?

Im Spätsommer war eine Gemeinderatssitzung, in der mein Mann den Gemeinderäten die Grundsätze einer Musikschule vorstellen wollte; er habe da einen Fachmann, der darüber berichten könnte. Also hat Crump das gemacht und wurde wieder rausgeschickt. Als dann die Entscheidung für eine Musikschule gefallen war, kam die Frage auf, wer sie denn wohl leiten soll. Mein Mann sagte: „Ihr habt ihn gerade kennengelernt – er wartet draußen.“ Da haben sie sich gleich für Crump entschieden.
 

Und schon im Herbst ging es los mit dem Unterricht?


Ja, als wir die ersten Anmeldungszettel in der Hand hatten, war die Freude groß: „Drei hammer scho!“ Crump hat ja selbst viele Instrumente beherrscht, und nach und nach auch gute Lehrkräfte für das, was gebraucht wurde, gefunden. Als erster fest angestellter Lehrer kam Sepp Karl Kaschak an die Musikschule und baute den Bereich Volksmusik und Geige auf, auch mit vielen Veranstaltungen.
 

Wie ist die Musikschule im Dorf angekommen?


Sehr gut, vor allem weil jetzt junge Musikanten mit besserer Ausbildung heranwuchsen. Es gab eine gute Jugendkapelle, aus der hat sich dann die Marktkapelle entwickelt. Die Gemeinde hat die Musikschule auch immer recht gut unterstützt. 
Am Anfang ging‘s noch sehr bescheiden zu. Ich weiß noch, wie der Unterricht im alten Kindergarten war, der ist ja jetzt abgerissen. Die Decken waren mit Eierkarton beklebt – als Lärmschutz.
Um den ersten Flügel zu reparieren, wurde ein altes Klavier ausgeschlachtet. Die einzelnen Tasten wurden dann bei einer Veranstaltung – mit weißblauen Schleifen versehen – versteigert.
 

Wie hat du Hans Josef Crump persönlich erlebt?


Er war ein Unermüdlicher. Immer hat er geübt und getüftelt. Wir waren ja anfangs in Rottau Nachbarn, und ich weiß noch, wie ich mich gewundert hab, dass er kaum aus dem Auto ausgestiegen war und praktisch schon in dem Moment die Posaune über uns in der Wohnung zu hören war, so fleißig war der. 
Sogar als er einmal ins Krankenhaus musste, hat er seine Posaune und alle seine Mundstücke dabei gehabt und die Schwester gefragt, ob er nicht in der Abstellkammer üben dürfte. Oder als seine Tochter einmal im Sandkasten gespielt hat, saß er nebendran auf der Aschentonne – mit der Tuba. Nach dem Tod meines Mannes hat er mich besucht und erzählt, wie viel er ihm verdankt. Das hat mich gefreut.
 

Wie wird wohl die Musikschule Grassau in 40 Jahren ausschauen?


Wenn’s so weitergeht wie bisher, wird alles gut gehen. Jedenfalls wünsche ich viel Erfolg!


Mitarbeit: Uta Grabmüller 21.11.2015