Radeln und Wandern entlang der "Ersten Pipeline der Welt"

Die Salzindustrie kann in Bayern auf eine lange Tradition zurückblicken, die bis in die vorgeschichtliche Zeit zurückführt. Natürliche Solequellen sind aus der Gegend um Reichenhall bereits im Jahre 682 nach Christus erwähnt. Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts das zum Versieden der Sole unerlässliche Holz in der Gegend um Reichenhall nicht mehr im notwendigen Umfang zur Verfügung stand, entschloss man sich, die Saline ins waldreiche Trauntal nach Traunstein zu verlegen. Es waren technische Pioniertaten notwendig, um diese Aufgabe zu meistern.

Mit sieben Salzwasser-Hebewerken, deren 7 m hohe Wasserräder von den Bergbächen angetrieben wurden, ist es Hans und Simon Reiffenstuel, Vater und Sohn, nach unsäglichen Mühen gelungen, die Quellsohle in das knapp 30 km entfernte Traunstein zu leiten. Rund 250 Jahre vor der Geburt der internationalen Begriffes „Pipeline“ besaß diese aus 9.000 Holzrohren von je 4 m Länge bereits deren Kriterien. Erstmals geschah der Transport einer Flüssigkeit nicht allein aufgrund eines natürlichen Gefälles, sondern es wurden mittels Pumpvorrichtungen auch Höhenunterschiede überwunden.

Etwa 200 Jahre später konnten auch im Bereich um Traunstein die Wälder nicht mehr so schnell nachwachsen, wie sie verbraucht worden waren. Deshalb wurde 1810 eine weitere Saline in Rosenheim errichtet, wo noch umfangreiche Waldgebiete genutzt werden konnten. Über 300 Jahre lang war Salz Grundlage der ersten Großindustrie in Bayern gewesen. Erst durch das Aufkommen von neuen Energieträgern in unserem Jahrhundert wurde schließlich auch das Ende dieser Saline besiegelt.

Die alten salinarischen Leitungen und Gebäude verfielen auf der ganzen Strecke von Bad Reichenhall bis Rosenheim zusehends. Lediglich spärliche Reste der Soleleitung und der Gebäude sowie der Weg entlang der Soleleitung konnten Spaziergänger und Bergwanderer in jüngster Zeit noch erkennen.

In unseren Tagen aber besann man sich wieder auf die beim Bau der Soleleitung geleisteten Pioniertaten. Nun wurden die alten Wege, Stege und Brücken entlang der ehemaligen Soleleitung wieder reaktiviert und als herrliche Wanderwege zu technik-geschichtlichen Denkmälern angelegt.

Für Radler wurde eine geeignete Verbindung ausgeschildert. Dabei muss sich niemand überanstrengen, weil die Wege, durch die frühere Leitungsführung bedingt, fast einheitlich ein leichtes Gefälle aufweisen. Entlang der Wege sind besonders sehenswerte Deicheldepots, ehemalige Solehochbehälter mit Treppenanlagen (die „Himmelsleiter“ in Nagling zählt 420 Stufen), begehbare Stollen, das Übersichtsmodell im Rathaus Inzell, restaurierte Salinenkapellen und vieles andere mehr.

Der Markt Grassau hat mittlerweile die einzige, noch vollständig erhaltene Brunnhausanlage erworben und sie zu einem Soleleitungs- und Torfmuseum ("Salz & Moor") umgebaut. Neben den Salinenabteilungen verschiedener Heimatmuseen ist in diesem Zusammenhang auch das Holzknechtmuseum in Ruhpolding eines Besuch wert, in dessen Freigelände auch ein 7 m hohes Wasserrad aufgestellt wurde.

Für technik-geschichtlich interessierte Gäste wurde eine Spezialkarte hergestellt, die nicht nur Rad- und Wandervorschläge, sondern auch Informationen über das Salinenwesen bis in das Salzburger Land enthält. Die Karte „Salzspuren zwischen Salzach und Inn“ ist im Maßstab
1 : 50.000 gehalten und kostet € 5,00.

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83224 Grassau
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