Naturschutzgebiet Kendlmühlfilze

Naturschutzgebiet Kendlmühlfilze Naturschutzgebiet Kendlmühlfilze

Im Norden von Grassau liegt ein besonderes Naturjuwel: Die Kendlmühlfilze. Es handelt sich dabei um das größte Hochmoor im südostbayerischen Raum. Die Kendlmühlfilze ist rund ums Jahr ein lohnendes Ausflugsziel. Besonders im Frühsommer, denn dann überzieht das Wollgras mit seinen weißen Blütenständen die Landschaft. Später im Jahr blüht das Heidekraut und taucht das Moor in Violett.

Der Chiemsee weicht zurück

Hochmoore entwickeln sich nur dort, wo genügend Wasser vorhanden ist. Die Kendlmühlfilze hat sich aus einer Verlandungszone des ehemals weitaus größeren Ur-Chiemsees entwickelt. Durch Pflanzenwachstum und unvollständige Zersetzung der abgestorbenen Pflanzen entsteht Torf, der das Moor in die Höhe wachsen lässt. Es bildet sich ein Hochmoor, das die Umgebung überragt. Im Fall der Kendlmühlfilze hat der Torf eine Dicke von sieben bis acht Metern erreicht. Dadurch ist das Moor vom Grundwasser getrennt und wird nur durch Regen feucht gehalten.

Überlebenskünstler im Moor

Hochmoore sind sehr extreme Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Der Untergrund ist sehr sauer, es fehlt an Nährstoffen, nur Wasser ist im Überfluss vorhanden. Aus diesen drei Gründen kann beispielsweise kein Wald auf einem Hochmoor wachsen. Nur einige verkrüppelte Kiefern und Birken finden ihr bescheidenes Auskommen. Wo die Kendlmühlfilze unberührt geblieben sind, ist dies noch schön zu beobachten. Nur speziell angepasste Moorpflanzen wie der Sonnentau können gut überleben: Der Sonnentau ist eine fleischfressende Pflanze, der mit seinen klebrigen Blättern kleine Insekten fängt und verdaut. Auf diese Weise gewinnt er zusätzliche Nährstoffe.

Der Mensch und das Moor

In den vergangenen Jahrhunderten wurden Moore von den Bauern in erster Linie zur Gewinnung von Stalleinstreu und Brennmaterial genutzt. Im Sommer wurde der Torf gestochen und zum Trocknen aufgelegt. War er durchgetrocknet, kam er als Brennstoff zum Einsatz. Der bäuerliche Handtorfstich beeinflusste das natürliche Gleichgewicht, konnte den Lebensraum Hochmoor aber noch nicht existenziell bedrohen. Dies geschah erst durch die industrielle Nutzung ab Mitte des 19. Jahrhunderts.

Gleise im Moor?

Auch in den Kendlmühlfilze wurde industriell Brenntorf gewonnen. Der Torfbahnhof an der Bahnlinie München-Salzburg zeugt davon ebenso wie die noch zahlreich sichtbaren Gleisanlagen der ehemaligen Feldbahn in der Kendlmühlfilze. In den 1970er und 80er Jahren wurde zuletzt großflächig Frästorf für die Blumenerdeproduktion gewonnen. Die damit einhergehende Zerstörung des Moores wie auch des Landschaftsbildes führte zur Gründung der Bürgerinitiative „Rettet die Kendlmühlfilze", die letztlich erfolgreich für die Einstellung des Abfräsens und für die Einrichtung eines Naturschutzgebiets kämpfte. Seit 1992 steht die Kendlmühlfilze unter Naturschutz. Zwei Museen in Grassau und zahlreiche Informationstafeln entlang der Wanderwege im Moor informieren über unser Naturjuwel.

Tour durch das Moor

Auf unserer interaktiven Wanderkarte können Sie sich den Moorrundweg ansehen und die Tour planen. Wählen Sie die Tour 3 "Moorrundweg-Wasserfall-Panoramaweg" und sehen sich die Route vorab an.

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