Musikalische Fortschritte zum Klingen gebracht

Roman Schlonski Roman Schlonski

Der Heftersaal in Grassau war einmal mehr bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Wolfgang Sawallisch-Stiftung im November wieder zu ihrem jährlichen Benefizkonzert lud. Begabte Schülerinnen und Schüler der Musikschule Grassau – von der Stiftung gefördert – zeigten in einer vielseitigen Programmfolge ihre Fertigkeiten. Und die Bandbreite des Dargebotenen war groß.


Die jüngsten Musiker haben gerade einmal die Grundschule verlassen und zeigten doch schon einen professionellen Auftritt: Melodisch und exakt eröffneten Jakob Wander, Florian Rödler (Trompete), Stefan Hildebrand (Horn) sowie Vinzenz Wiedemann (Posaune) mit einer Intrada aus der Barockzeit (P. Peuerl) den Abend. Die Vier nennen sich „Grass Brass” und haben unter der Leitung von Wolfgang Diem bei “Jugend musiziert 2011” mit einem 1. Preis schon Klasse bewiesen. Eine weitere Blechbläser–Formation trat auf, nämlich das Hornensemble, ebenfalls unter Leitung von Wolfgang Diem, und zwar brillierten sie einerseits mit Volksmusik (“Staader Landler” von Sepp Kaschak) und andererseits mit einem technisch sehr anspruchsvollen, fast provokativen zeitgenössischen Stück von Andreas Kummerländer. Den vom Komponisten vorgesehenen experimentellen Effekten waren die jungen Hornisten Maria Noichl, Maximilian Schellenberger, Rafael Benker, Leo Peschl, Theresa Weingartner und Felix Pröbstl spielend gewachsen – und es machte ihnen auch sichtlich Spaß, die Anforderungen zu meistern.


Grassau gilt ja als Blechbläser-Schmiede, doch alle übrigen Programmpunkte des Abends blieben anderen Instrumenten vorbehalten und wiesen nach, wie stark auch hier die Entwicklung an der Schule ist. So spielte das Klavierduo Viktor Gruber und Franziska Osterhammer (Schüler von Beatrice von Kutzschenbach) eine Komposition des Symbolisten Gabriel Fauré; das Flöten-Duo Antonia Schwarz und Jeannine Falarowski – sie werden von Sandra de Crescenzo unterrichtet - trug mit Eleganz ein Rondo von Franz Doppler vor; die elfjährige Antonia Baumert an der Harfe bot mit einer Sonatina von Jan Dussek ein 200 Jahre altes Stück dar, das noch immer Frische zeigt. Dass auch das Hackbrett nicht nur in der Volksmusik zu Hause ist, bewies einmal mehr die 18-jährige Katharina Gmeiner mit einem klassischen Stück von Melchior Chiesa, begleitet an der Harfe von Sigrid Meier.


Um bei der Volksmusik zu bleiben: die Bernauer Lausbuam-Musi spielte sauber auf mit der schwungvollen „Schornwirt-Polka“ von Marinus Zimmerer. Franz Weingartner (Diatonische Harmonika), Sebastian Weingartner (Tenorhorn) und Sepp Pfliegl (Harfe) werden als Ensemble von Otto Dufter unterrichtet. Mit dem Stück Deantner-Boarischer von Tobi Reiser d.Ä. zeigte das Rottauer Gitarrentrio mit Heidi Huber, Martin Färbinger und Michael Summerer eine erst seit der zweiten Hälfte des 20 Jahrhundert denkbare volksmusikalische Gitarrenkomposition, in der die Gitarre nicht nur Rhythmusinstrument ist, sondern die Melodieführung übernimmt. Und mit zwei schmissigen Stücken, darunter die „Fensterstock-Polka“ von Sepp Kufner, entließ die „Junge Grassauer Tanzlmusi“ mit Johanna Weißenbacher (Klarinette), Magdalena Weingartner (Harfe), Sebastian Wandinger (Trompete), Thomas Huber (Bariton) und Andreas Nißl (Tuba) das Publikum in die Pause.


Den zweiten Teil des Benefizkonzerts leiteten Elisabeth Schweiger am Klavier und Fabian Weber (an der Hoch-B-Trompete) ein mit dem Rondeau von Jean-Joseph Mouret (um 1700). Dann ein großer Sprung in die Neuzeit: Ein bekannter russischer Komponist des 20. Jahrhunderts ist Alfred Schnittke. Mit zwei Sätzen aus dessen „Suite im alten Stil“ zeigte die Geigerin Sabrina Schwarz, eine Schülerin von Mugurel Popovici, ihr Können; sie interpretierte, begleitet von Catalina Popovici am Klavier, die eleganten Sätze „Menuett“ und „Ballett“ mit Leichtigkeit. Das Klavierduo Johanna Wander und Laura Fridrihsone bewiesen mit dem „Ungarischen Tanz in g-moll“ von Johannes Brahms, dass sie sich viel vorgenommen haben: sie wollen sich mit diesem Stück im kommenden Jahr am Wettbewerb „Jugend musiziert“ beteiligen. Ihre Lehrerin Catalina Popovici traut es ihnen zu, und die Chancen stehen gut.


Auf der Geige folgte nun eines der bekanntesten „ungarischen“ Stücke, der „Csardas” des Italieners Vittorio Monti, brillant vorgetragen von Wiebke Richter. Sie wird unterrichtet von Sabine Weiskirchner und wurde am Flügel begleitet von Beatrice von Kutzschenbach.


Ganz besonders aufmerksam lauschte das Publikum dem folgenden Klaviersolo von Theresa Meier. Sie, die langjährige Schülerin von Catalina Popovici, spielte einen Satz aus Franz Liszts „Konzert-Etüde Nr. 3 (Un Sospiro)“. In der Tat: mit einem tiefen Seufzer der Bewunderung und langem Beifall für das sensible Spiel der 16-jährigen Jungstudentin am Salzburger Mozarteum quittierten die Zuhörer ihre Leistung. Der Satz „Allegro affetuoso“ kommt leicht perlend daher, wird dann jedoch hoch kompliziert und erfordert ein virtuoses Spiel.


Für den Schluss hatte Musikschulleiter Wolfgang Diem ein besonders ungewöhnliches und unerwartet verlaufendes Stück vorgesehen. Roman Schlonksi, der frühere Grassauer Musikschüler, ehemaliger Stipendiat der Wolfgang Sawallisch-Stiftung und jetzt Student bei Professor Johannes Fischer in Lübeck, zeigte an fünfzehn Schlaginstrumenten die ganze Fülle der Möglichkeiten seines Fachs. Anstatt kräftig „auf die Pauke zu hauen“ – das verbindet man ja meist mit Schlagzeug – trug er eine leise, geradezu poetische moderne Komposition von Hans Ulrich Lehmann vor: „Str/o/i/king for one Percussionist. Im Saal war es mucksmäuschenstill, bis brandender Beifall aufkam. Zu Recht.


In ihrer Anmoderation stellten die Musiklehrer Wolfgang Diem und Otto Dufter die jungen Musikerinnen und Musiker jeweils liebenswürdig und lobend vor. Sie haben die jungen Leute über die Jahre ihres Unterrichts an der Musikschule beobachtet und ihre Fortschritte registriert, wohl wissend, wie viel Arbeit seitens der Kinder und auch ihrer Lehrer dahintersteckt.


Am Schluss dankte der Vorstandsvorsitzende der Sawallisch-Stiftung, Hubert Kamml, allen Mitwirkenden, allen anwesenden Förderern und allen ehrenamtlichen Stiftungshelfern. Insbesondere richtete er seinen Dank an Professor Wolfgang Sawallisch für seine kontinuierliche Förderung. Auch der Marktgemeinde Grassau und dem Musik- und Gesangverein in Person von dessen 1. Vorsitzendem Willi Ettenberger sprach Kamml seinen Dank aus. Ungeachtet der großen Unterstützung, die die Stiftung genießt, hoffte er auf weitere Spenden, damit angesichts der schwierigen Finanzlage das Förderniveau auch gehalten werden könne. Folglich legte er dem Publikum die Spendenkörbchen am Ausgang ans Herz – und die Begeisterung der vielen Zuhörer spiegelt sich hoffentlich auch im Spendenergebnis wieder.


Uta Grabmüller
 

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