Kabarettist Thomas Schreckenberger mit "Wir haben uns verdient"

Thomas Schreckenberger Thomas Schreckenberger

„Wir haben uns verdient“
Kabarettist Thomas Schreckenberger begeistert in Grassau
Thomas Schreckenberger ist wahrlich ein herausragender Kabarettist, der bislang hierzulande noch nicht so in Erscheinung getreten ist. Dies änderte sich aber schnell mit seinem hervorragenden Auftritt im Grassauer Heftergewölbe. Auf sarkastisch-ironische Weise führte er dem Publikum die deutsche Lebensart vor Augen und nahm hierzu vor allem die Politiker kräftig auf die Schippe. Wieder einmal bewies der Verein „Aktives Grassau“ mit seiner Wahl ein glückliches Händchen.
„Wir haben uns verdient“, so lautete das Soloprogramm und zugleich Motto des Abends. Die Deutschen hätten den ganzen Tag mit ihren Ängsten zu tun, wusste der Kabarettist. Der Deutsche frage immer woher er komme und wo er sich mit seinem Handtuch einen Platz reservieren könne. Er verwies auf Angela Merkel und meinte: „Lebensfreude sieht anders aus“. Sie sei eine perfekte Krisenkanzlerin und könne dies auch optisch transportieren. Bemerkenswert sei die Leistung des Rößlers, der als Gesundheitsminister die Beiträge erhöht habe (darauf kam noch nie einer!). Dirk Niebel habe, und damit habe man in der Vergangenheit schon gute Erfahrung gemacht, ein besonderes Hobby, das Fallschirmspringen. Gut repräsentieren könne Bundessozialministerin Van der Leyen, zumal ein Großteil der Bürger direkt von ihr abstamme. Und mit Seehofer seien nach neuesten Umfragen nur mehr 30 Prozent der Frauen bereit eine Affäre zu beginnen, 70 Prozent wollen dies nie wieder. Gutenberg hingegen frage sich, wo der Kopierer in Afghanistan stehe und nicht nur Sarrazin dürfte bekannt sein, dass eine Integration in Deutschland, so das Beispiel Oberpfalz, nicht möglich sei.
Natürlich haben die Deutschen auch ihr Fernsehprogramm verdient. Hier buhlt der Gülle-Casanova und der Schuldenberater deckt Schulden auf, während die Einrichtungsdomina das Haus auf den Kopf stellt und die Beschenkten Rotz und Wasser heulen, weil sie nicht wissen, wie lange es dauert aus dem Katalogzuhause ihr Eigenheim zurück zu holen. Vor allem liebe er zu sehen, dass es in anderen Familien noch chaotischer zugeht. Konjunktur haben derzeit auch die Hochzeiten im Fernsehen. Viele Männer versuchen jung zu bleiben, in dem sie sich junge Frauen suchen. Da bekomme das Wort „Wechseljahre“ eine ganz neue Bedeutung. Auch die Modellshows nahm Schreckenberger aufs Korn und meinte mit 1,80 und 50 Kilo sei man dort schon „eine fette Sau“. Besser wäre „Kalorien für Millionen“ mit Reiner Calmund und Ottfried Fischer. „Warum ist das Äußere so wichtig“, fragte der Kabarettist und meinte: “Weil wir innen so leer sind“. Als gutes Konzept sah er die Möglichkeit die Rente mit Kindergeld aufzubessern, aus Porsche ein Rentnerauto zu machen und ein Fernsehprogramm für die 80 bis 100 jährigen zu entwickeln. Letztlich wird es auch endlich Ü80 Partys geben. Für einen Demenzpatienten werde der Orientierungslauf zu einem wochenlangen Unternehmen und der politische Reichstag könnte zum Altersheim werden. Dort treffen sich dann Merkel, Stoiber, Trittin und Müntefering wieder. Kinder seien anstrengend und das erste sollte aus dem gröbsten heraus sein bevor das zweite kommt, also mindestens 30 Jahre dazwischen liegen. Auch kosten Kinder viel Geld. So gebe es heute schon Förderkurse im Kreissaal. Diskussionen auf dem Spielplatz über die richtige Wahl des Kindergartens, damit das Kind auch perfekt gefördert wird. Doch was passiert am Wochenende, wenn es keine durchgehende Kinderbetreuung gibt? Dann nichts wie hin zu IKEA, das Kind abgeben, sich einen schönen Tag machen und abends wieder abholen. Für solch einen entspannten Tag fahre er schon mal 200 Kilometer.Wir haben uns wirklich verdient, wir jammern und sind mit nichts zufrieden.
Thomas Schreckenberger gelang es mit Bravour, seinen Zuhörern die Eigenarten der Deutschen, der politischen Würdenträger und der Medien vor Augen zu führen und dies mit einer ordentlichen Portion Humor. Perfekt imitierte Schreckenberger die Größen aus Politik und Gesellschaft und sicherte sich mit dieser überspitzten Nachahmung die Sympathien seines Publikums. tb