Jugendtheater Stückwerk spielte "Abflug"

Jugendtheater Stückwerk spiele "Abflug" im Saal Jugendtheater Stückwerk spiele "Abflug" im Saal

„Abflug“
Bewegendes Theater zum Nachdenken, Abschiebung aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet

Geschichten über Menschen, die nur geduldet sind und täglich mit ihrer Abschiebung rechnen müssen, gibt es genug. Doch meist sind es Geschichten, die man hört, einen aber emotional nicht erreichen. Anders sah es da bei der Theateraufführung „Abflug“ des Theaterhofs Priessenthal aus, der im Grassauer Heftersaal gastierte. Gerade auch in Grassau, in einer Gemeinde, in der es ein Asylbewohnerheim gibt und vor allem Kinder und Jugendliche mit Asylbewerbern gemeinsam den Kindergarten besuchen und die Schulbank drücken, ist dieses Thema aktuell.


Die drei Schauspieler, die 27jährige Theresa Hanich und die beiden 35jährigen Herren Dominik Burki und Niels Klaunick überzeugten in ihren ständig wechselnden Rollen. So verkörperte Theresa Hanich, nicht nur die 17jährige voll in Deutschland integrierte Melina aus Togo, sondern auch die Frau des Ghanaers Raimou Hamadou, die Staatssekretärin Dr. Schneider, eine Reporterin und eine Polizistin. Auch die Herren im Stück wechselten ihre Rollen ständig. So überzeugte Burki als Ghanaer Raimou wie auch als Minister der Regierung von Guinea, als Melinas Onkel in Togo und in weiteren sechs kleineren Rollen. Klaunick verkörperte Udo Krapke, den Leiter der Hamburger Ausländerbehörde, der die erste große EU- geförderte Sammelabschiebung organisierte, sowie Raimous Bruder in Ghana, Melinas Freund Chris und weitere Personen.

Es ist ein höchst dramatisches Stück, in rasantem Erzähltempo wiedergegeben, ausdrucksstark voller Gefühle und mit vielen Einsichten in ein Leben zwischen Europa und Afrika. Die Frage nach der Menschlichkeit steht bei diesem Stück immer wieder im Raum. Umso brisanter wird diese Frage, da es sich nicht um ein konstruiertes Stück, sondern um wahre Begebenheiten handelt und das Stück auf einem gut recherchierten Artikel aus „Die Zeit“ basiert. Die drei Schauspieler wählten dieses Stück mit Bedacht. Es ist ein Anliegen, die Menschen für besondere Themen zu sensibilisieren, damit mit Vorurteilen und vorschnellen Entscheidungen vorsichtig umgangen wird. Dieses Theaterstück werden viele so schnell nicht vergessen können. Vielleicht wird dadurch auch so mancher Asylbewerber mit anderen Augen gesehen und mehr Toleranz geübt. tb