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„Die Grazzowis“
Die GRAZZOWIES
Von Uta Grabmüller
Wahrlich: man kann es ein Spektakel im Shakespeare’schen Sinne nennen, was Anfang Juli in Grassau Premiere hatte. Die Musikschule Grassau brachte mit dem Stück „Die Grazzowis und der immergrünleuchtende-singsangtönende Klingklangkugel-Tag“ von Loretta Wollenberg erstmals eine aufwändige Musiktheater-Produktion auf die Bühne. Und es wurde ein großer Erfolg.
Der Kinder- und Jugendchor unter Leitung von Sandra de Crescenzo sang, tanzte und spielte mit Konzentration und sichtlicher Begeisterung in den vielen bewegten und bewegenden Szenen, die die Autorin Loretta Wollenberg in den vergangenen Monaten speziell für die Musikschule Grassau geschrieben hatte. Die Hamburger Schauspielerin ist seit langem dem Chiemgau eng verbunden. Sie führte nicht nur Regie, sondern gestaltete auch die Bühne, entwarf die Kostüme und spielte Souffleuse, die das eine oder andere Mal hilfreich eingreifen konnte.
Wie es sich für ein richtiges Musiktheater gehört: es begann mit einer Ouvertüre. Sie war eigens für die „Grazzowis“ komponiert von Rupert Schmidhuber (Musiklehrer, Trompeter und Mitglied des Grassauer Blechbläser Ensembles). Die Dirigentin des Kinderorchesters der Musikschule hatte diese Ouvertüre erst in den Pfingstferien richtig einstudieren können. Die Aufführung war für ihre Truppe wieder ein großer Schritt vorwärts. Prima gemacht!
Die folgenden zwei Stunden gehörten einem bunten Reigen von lebhaften Szenen im vielfältigen Bühnenbild und mit zauberhaften Kostümen der 24 jungen Sängerinnen und Sänger, die teilweise mehrere Rollen übernommen hatten. Alles spielte sich in der Saalmitte ab, so dass die Zuschauer prächtige Bilder zu sehen bekamen. Schwieriger war es, der Handlung u folgen. Ausgehend von der wahren Ortsgeschichte (der historische Name „Grazzowe“ hat seinen Ursprung in den frischen grünen Fichtensprossen des Achentals) und dem Abzug der römischen Besatzung aus Süddeutschland im 5. Jahrhundert n. Chr. verwob die Autorin mutig märchenhafte Motive mit Figuren aus Shakespeare‘s „Sommernachtstraum“. Auch ein erschöpfter Römer durfte nicht fehlen, der sich so gerne bei den Grazzowis erholt hätte, aber vor lauter Musik nicht zur Ruhe kam. Shakespeare schickte Titania, Oberon und Puck vorbei, die ebenfalls am munteren Dorfleben teilnahmen. Zum Schluss feierten alle zusammen ein liederreiches Fest. Auch Mozart und Beethoven ließen gaben sich dabei die akustische Ehre! Das bunte Geschehen war so einladend lebhaft, dass aus dem Publikum einige kleine Kinder mittanzten und sangen. Auch das passte. Die große Zahl der vielen jungen Familien im Publikum zeigte übrigens auch, dass Grassau mit der Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen bereits auf gutem Weg ist – der Bedarf ist da. Groß und Klein erlebten einen spannenden Theaterabend.
Wer einen klaren Handlungsfaden suchte, wird das Stück verwirrend gefunden haben. Wichtiger jedoch als ein stringenter Szenenablauf waren sicherlich das von der Musik getragene lebhafte Geschehen im Saal, die bewegungsfreudigen Kinder, denen der Spaß an Spiel und Liedern an den Augen abzulesen war. Dass sie beim Singen so sicher ihre Einsätze wussten, ist sowohl der guten Vorbereitungen der Chorleiterin Sandra de Crescenzo (die im Hintergrund blieb) zu verdanken als auch der Leistung der „Theatermusik“ mit Sigrid Meier (Harfe), Veronika Buchner (Querflöte) und Wiebke Richter (Geige). Und ohne Willi Ettenberger und sein Team vom Musik- und Gesangverein Grassau wäre alles still und duster geblieben: er sorgte umsichtig für Ton- und Lichttechnik. Im großen Beifallreigen zum Schluss bedanke sich die Darstellerin des Puck, Muriel Mende, im Namen aller Kinder sehr herzlich bei Sandra de Crescenzo und Loretta Wollenberg für die schöne Zeit, die die Proben für alle bedeutet haben. Davon waren nach der Aufführung auch alle Zuschauer überzeugt. Auch diejenigen, die das Projekt durch Zuschüsse unterstützten (darunter die Wolfgang Sawallisch-Stiftung), haben erfolgreich mitgeholfen, den Mitwirkenden und Zuhörern ein außergewöhnliches „singsangtönendes Klingklang“-Erlebnis zu bieten.
Die Flexibilität der beteiligten Kinder zeigt sich auch beim Wechsel der Aufführungsorte: Premiere war am 1. Juli im Heftersaal, die zweite Aufführung am folgenden Tag in der völlig anderen Umgebung des Museums „Salz und Moor“ (Klaushäusl). Weitere Aufführungen in Schulen des Achentals sind geplant. „Profis“ können sowas. -ugr





