Andi Holzer mit "den Sehenden die Augen öffnen"

Andi Holzer beim Hefter Andi Holzer beim Hefter

Extrembergsteiger Andy Holzer über seinen Balanceakt zwischen Bergwelt und Alltag
Eindrucksvoll und faszinierend berichtete Andy Holzer im voll besetzen Heftersaal über sein Leben als blinder Extrembergsteiger, der viele Hürden zu meistern hatte. Dennoch war es kein mitleidheischender Vortrag, sondern vielmehr eine selbstbestimmte Lebensgeschichte ohne Grenzen.
„Man wird in eine Welt entführt, in der keine Sonne scheint und es keinen Sinn macht aufzustehen. Du hörst die Kinder spielen und denkst die Welt ist nicht für mich gemacht“, so begann Holzer seine Ausführungen als blindes Kleinkind. Es sei vor 45 Jahren auf diesem Planeten gelandet, in einem 300 Seelen Dorf, in dem es alles gab, nur keinen Platz für Behinderte. Seine Eltern meisterten den Alltag mit zwei blinden Kindern, denn auch Holzers Schwester kam blind zur Welt. Schon früh hätten seine Eltern erkannt, so Holzer, dass jedes Kind seine eigenen Erfahrungen machen muss und das hierzu auch das Bergsteigen gehöre. Noch vor seiner Schulzeit sei er, damals mit seinen Eltern, in den Bergen umhergekraxelt. Bereits mit vier Jahren konnte er Radfahren, orientierte sich an dem Rattern der Spielkarten auf den Rädern seiner Spielgefährten. Ebenso über das Gehör lernte er bald das Skifahren. Besonders aber interessierte ihn der Langlauf, da er hier wie in Schienen dahingleiten konnte. Er lernte als Zehnjähriger 100 Kilometer Loipennetz auswendig. Auch Schlittschuhfahren konnte er schon als Kind. „Ich habe das Blindsein einfach vergessen“, so Holzer. Er wollte aber immer hinauf auf die Berge und so nahm ihn Hans Bruckner mit. Holzer berichtete auch, wie er seine Frau kennenlernte und auch diese zum Klettern überreden konnte. 2004 habe es auf der Nordwand der Großen Zinne in den Dolomiten eine besondere Begegnung gegeben. Er sei damals fast über einen weiteren blinden Bergsteiger -Eric Weinmayr aus Colorado -angeseilt in der Wand „gestolpert“. Seither verbinde beide eine tiefe Freundschaft. 2005 war er dann erneut in den Dolomiten unterwegs, gemeinsam mit dem blinden Eric Weinmayr sowie dem Beinamputierten Hugh Herr. In eindrucksvollen Filmaufnahmen zeigte Holzer dieses Event „No Barries“. Weiter berichtete Holzer von einer Bergbesteigung des Aconcagua, des höchsten Berges Südamerikas mit knapp 7000 Metern mit einem weiteren Bergsteiger, der nur einen Arm zur Verfügung hatte. Bis 2010 habe er sechs der „Seven Summits“, der sieben höchsten Berge bestiegen. „Du kannst trainieren, wie du willst und musst dennoch demütig sein, denn der Herrgott begleitet jede Seilschaft“, so Holzer und riet den aufmerksamen Zuhörern, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. „Wenn ich all meine Schwächen auf den Tisch lege, bleiben nur mehr die Stärken übrig“, so sein Lebensmotto. “Uns sind keine Grenzen gesetzt, außer im Denken. Es gibt keine unvollkommenen Menschen, nur unvollkommene Technik“, betonte er. Frenetischen Applaus erntete er für seinen Vortrag, der weniger Bergtouren und hohe Gipfel zeigte, dafür aber einen Menschen, der sein Handicap in sein Leben integriert, damit ihm die Lebensfreude, die Lebenslust und die Abenteuerlust bleibt. Tb